Giving Circle

Was ist ein Giving Circle?

Eine neue Form des Gebens

Das Format Giving Circle – auf Deutsch: „Kreis des Gebens“ – ist simpel: Einzelpersonen treffen sich, legen ihre Spenden zusammen und widmen sie gemeinsam einem oder mehreren guten Zwecken. Oftmals passiert das im kleinen Kreis mit Freund*innen, Bekannten und Kolleg*innen, ganz ohne Verein oder andere institutionelle Formen. Dabei entscheiden die Teilnehmenden zusammen, wohin sie das Geld und andere Ressourcen wie Zeit, Expertise oder ähnliches spenden wollen.

So funktioniert ein Giving Circle

Ein Giving Circle entsteht, wenn Menschen einer Region ein gemeinsames Anliegen haben. Manchmal wird er auf Grundlage einer identitätsstiftenden Eigenschaft gebildet, wie zum Beispiel Geschlecht, ethnische oder religiöse Zugehörigkeit. So gibt es Giving Circles, die nur aus Frauen bestehen oder ihre Arbeit an bestimmte gesellschaftliche oder religiöse Werte knüpfen. Eine solche Beschränkung ist kein Muss und hängt allein von den Gründer*innen des Giving Circles ab.

Giving Circles sind meist selbstorganisiert, unabhängig und nicht bloß eine einmalige Spenden-Aktion für eine einzelne Wohltätigkeitsorganisation. Die Höhe der Spendenbeträge der einzelnen Mitglieder in einem Giving Circle kann sehr unterschiedlich sein. Giving Circles unterstützen eine breite Palette gemeinnütziger Zwecke und Organisationen, zum Beispiel die Jugend- oder Altenhilfe, Kunst und Kultur, Tier- und Naturschutz und viele mehr. Dabei kann es sich sowohl um Geld- als auch um Zeitspenden ihrer Mitglieder handeln.

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Mit einem Giving Circle erzielen Spenden eine größere Wirkung als allein

Der Zweck eines Giving Circles ist gemeinnützig und ein Ausdruck gesellschaftlichen Engagements. Einzelpersonen bündeln ihre Spenden und entscheiden gemeinsam, an welche gemeinnützige Organisation oder welches Projekt die nun größere Geldsumme gehen soll. Darüber hinaus bieten Giving Circles weitere Vorteile gegenüber Einzelspenden. Zum Beispiel besteht die Möglichkeit, gemeinsam etwas über ein gesellschaftliches Thema zu lernen und sich mit anderen Menschen auszutauschen und zu vernetzen. Das ist wirkungsvoll und macht obendrein noch Spaß.

Giving Circles gibt es bereits seit Jahren in den USA, Australien, Kanada und Großbritannien. Dort haben sie sich in den letzten Jahrzehnten bewährt und sind ein wichtiger Teil des lokalen gesellschaftlichen Engagements geworden. Seit Beginn ihres Aufkommens haben Giving Circles in den USA landesweit circa 1,29 Milliarden US-Dollar an Spenden getätigt.[1] Nach Schätzungen aus dem Jahr 2016 sind in den USA an die 150.000 Menschen Mitglied in einem Giving Circle gewesen.[2]

In Deutschland gibt es vereinzelt Giving Circles. Ein Beispiel sind die Spendenparlamente. Seit der Gründung des ersten Spendenparlaments 1996 in Hamburg hat sich dieses, an eine große Zahl von Spender*innen adressierte Format des gemeinsamen Gebens in zahlreichen Kommunen in Deutschland verbreitet. Die Spendenparlamente sind eine Innovation, die zeigt, wie gemeinsames Geben organisiert werden kann.[3] Bürgerstiftungen sind ein weiteres Format des gemeinsam organisierten Gebens.[4]

Warum Giving Circles gesellschaftliches Engagament auch in Deutschland bewegen können

Menschen heben die Hände. Symbolfoto für Abstimmung bei Giving Circles. Foto: Momentum Fotograh/shutterstock.com

Ein Modell bei Giving Circles: Mehrere Organisationen stellen sich vor, danach wird darüber abgestimmt, wer die gemeinsame Spende erhält. Oft verteilen sich die Spenden auch auf zwei oder drei Organisationen. Symbolfoto: Momentum Fotograh/shutterstock.com

In Deutschland könnten verschiedene Formen von Giving Circles noch viel mehr bewegen. Durch sie würde gesellschaftliches Engagement vielfältiger, zugänglicher und partizipativer werden. Denn Giving Circles nutzen die Kraft der Gemeinschaft, um kleinen Einzelspenden große Wirkung zu verleihen. Das zeigen bereits jetzt viele Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum.

Die Mitglieder legen ihre Beträge zu einer großen Spende zusammen und finanzieren damit vor allem gemeinnützige Projekte und Organisationen in ihrer Umgebung. Dabei machen sie sich ein Bild über gesellschaftliche Probleme in ihrer Region und lernen einander persönlich kennen.

Giving Circles können also auch als Brücken zwischen Spender*innen und Empfänger*innen verstanden werden, die für Transparenz und Vertrauen zwischen ihnen sorgen. Sie können auch Bestandteil größerer Verbünde von Geber*innen sein, wie den Bürgerstiftungen. Das ist wichtig, denn laut Fachleuten ist die Spendenbereitschaft in Deutschland noch nicht auf dem Niveau, auf dem sie sein könnte.[5]

Es gibt auch eine wachsende Kritik an den vereinzelten Großspenden einiger vermögender Menschen.[6] Im Gegensatz dazu setzen Giving Circles auf die Beteiligung möglichst vieler Bürger*innen an Spendenaktivitäten – sozusagen von den Menschen für die Menschen. Manche sehen in Giving Circles darum sogar eine „Demokratisierung der Philanthropie“.[7] In jedem Fall bieten Giving Circles die Chance, individuelles Spenden zu koordinieren und dadurch wirkungsvoller zu machen.

Frau mit Laptop auf Sofa. Symbolbild für die Teilnahme an einem Giving Circle. Foto: Brooke Cagle auf unsplash.com

Gemeinsam für einen guten Zweck spenden – gerade in der Coronakrise hat sich die Wirkung von Giving Circles für lokales und regionales Engagement bewährt. Kleine Gruppen treffen sich online, Spendenorganisationen stellen sich vor, danach wird gemeinsam gespendet – jede Person, wie sie möchte. Foto: Brooke Cagle auf unsplash.com

Studie zu Giving Circles und deren Umsetzung in Deutschland

Giving Circles haben sich anderswo bereits bewährt. Warum also nicht auch in Deutschland? Die Voraussetzungen dafür sind gut. Nun braucht es engagierte Bürger*innen und Institutionen, die den ersten Schritt tun. Deshalb hat Wider Sense TraFo mit Unterstützung der Kurt und Maria Dohle Stiftung die Studie „Giving Circles – eine Spende, vereinte Wirkung“ erarbeitet. Sie untersucht das Spendenformat, Vorteile und Hürden, gibt Tipps zur Umsetzung und liefert dazu die Einschätzung von Expert*innen aus der Praxis. Darüber hinaus zeigt sie auf, welche verschiedenen Modelle und Varianten es gibt, einen Giving Circle zu gründen und zu gestalten und vermittelt hilfreiche Erfahrungswerte von Gründer*innen und Teilnehmer*innen.

  • [1] Bearman, J., Carboni, J., Eikenberry, A. and Franklin, J., 2016. The Landscape of Giving Circles – Collective Giving Groups in the U.S. Giving Circles Research Group.
  • [2] Ebenda.
  • [3] Weitere Informationen zu Spendenparlamenten: https://www.spendenparlament.de/.
  • [4] Weitere Informationen zu Bürgerstiftungen: https://www.buergerstiftungen.org/de/ und https://www.aktive-buergerschaft.de/.
  • [5] Deutscher Spendenrat e.V. & Growth from Knowledge, 2020. Bilanz des Helfens 2020.
  • [6] Villanueva, E., 2018. Decolonizing Wealth: Indigenous Wisdom to Heal Divides and Restore Balance. Berrett-Koehler Publishers; Giridharadas, A., 2018. Winners Take All: The Elite Charade of Changing the World. Alfred A. Knopf, Inc.
  • [7] Paulson, A., 2001. A pooling of funds to boost donors’ impact. Christian Science Monitor, 93, 18.